Alle Beiträge von Christoph Nitsch

wieder eine tolle Gelegenheit

Nachdem ich die Pläne und Unterlagen studiere, schaue ich einmal auf die Webseite des Multihull-Vereins Deutschland. Auf dem Marktplatz traue ich meinen Augen kaum: „…drehbarer Mast für Farrier F-9R zu verkaufen, 13 Meter Länge…“ Und das zu einem überaus attraktiven – fast unglaublichen Preis. Leider ist das Angebot schon fast ein Jahr alt. Dennoch rufe ich sofort an und tatsächlich meldet sich ein überaus freundlicher Farrier-Selbstbauer aus der Nähe von Berlin. Er hat den Mast vor Jahren selbst gebaut aus Holz und Kohlefaser. Die Bau-Bilder sehen sehr vielversprechend aus.

Nach kurzem Überlegen, kaufe ich den Mast und sage zu, dass wir ihn in den Weihnachtsfeiertagen abholen werden.

Wir können es kaum glauben. Dieser Kauf bringt uns unserem Traum ein entscheidendes Stück näher. Am 27. Dezember machen wir uns auf den Weg. Den Kanuanhänger haben wir auf die lange Fuhre vorbereitet – dennoch bleibt ein Mast dieser Länge eine Herausforderung…

Alles klappt perfekt und am 1. Jänner kommen wir mit dem Mast und vielen Tipps von Nils und Kerstin wieder zu Hause an. In Berlin war Schnee gefallen und zu Hause noch mehr. Gott sie Dank haben uns Freunde den Weg freigeschaufelt, damit wir den Anhänger abstellen können.

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Der Mast ist noch besser als ich ihn mir vorgestellt hatte. Toll gearbeitet und in einem guten Zustand.

Spätestens jetzt wissen wir, dass das Projekt gesegnet ist!

die Ankunft

Am nächsten Morgen werden erst mal die Bretter der Giebelwand rausgehauen und der letzte Balken abgesägt. Dann rangieren wir den Anhänger unter die Kranbahn „and up we went“…

Kaum zu glauben, wir haben das „Baby“ gut heim gebracht!

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der Transport

Es ist nicht leicht, einen Leihanhänger zu finden, der dieses Boot aufnehmen kann. Aber eine Firma hat so ein Teil. Kostet zwar 300 Euro pro Tag, passt aber. Alle Überlegungen, vielleicht gleich einen passenden Bootstrailer zu kaufen, haben wir verworfen. Der Trailer würde nach unserer Fahrt ja doch jahrelang nur auf dem Hof stehen.

Ein Termin ist gefunden und der Anhänger reserviert. Da der Anhänger mit einer Ladefläche von 9 x 2,5 Metern schon mehr als 1,5 Tonnen Eigengewicht hat, wird das für mein Auto zu eng – auch wenn die Rumpfschalen sehr leicht sind. Deshalb mieten wir für die Fahrt einen Pick-Up an.

Zuerst den Pick-Up abgeholt, dann den Anhänger und jetzt sind Ulli und ich auf dem Weg nach Frankfurt. Die Spannung steigt. Der schwere leere Anhänger und die Blattfedern des leeren Pick-Up fordern unsere Bandscheiben. Die Fuhre schwingt sich manchmal derart auf, dass wir heftig durchgeschüttelt werden.

Aber irgendwann ist auch die längste Fahrt zu Ende – Gott sei Dank! Ich war schon versucht, beim nächsten Baumarkt die Ladefläche mit Zement zu füllen… wäre wahrscheinlich gar nicht schlecht gewesen.

In Oberursel bei Frankfurt finden wir alles wie beschrieben vor. Wir sind von der Größe des Rumpfs beeindruckt. Der Verkäufer wiederum ist von unserem Anhänger beeindruckt. Der Kran in der Halle und tolle Helfer machen die Verladung leicht. Nach eineinhalb Stunden haben wir die drei Rümpfe so verzurrt, dass wir getrost starten können.

Mit vielen interessanten Tipps und Infos des Verkäufers machen wir uns auf den Heimweg. Eigentlich planen wir, unterwegs zu übernachten. Aber wir fressen Meilen und entscheiden schließlich, eine „Nachtfahrt“ zu machen… um 2 Uhr morgens kommen wir zu Hause an, stellen das Gespann in den Obstgarten und gehen schlafen.

Ankunft

 

 

 

 

 

 

die Werft muss erst geschaffen werden

Zuerst muss ein Zimmermann her! Der Dachstuhl ist zu niedrig. Da sind die Balken im Weg. Bis der Zimmermann kommt, beginnen wir, den Heuboden auszuräumen. Alles ist voll gestellt. Wo sollen wir das alles unter bekommen? Tagelang räumen wir, schlichten, merken, dass es so nicht geht, schlichten neu, … bauen provisorische Flugdächer für Bretterstöße, schneiden Brennholz, bringen Alteisen weg, sortieren, … tagelang haben wir das Gefühl, es wird nicht weniger.

Doch dann lichtet sich das Chaos. Der Boden wird sichtbar. Jetzt können  wir uns schon vorstellen, hier den Trimaran fertig zu bauen.

Der Zimmermann kommt und in einem Tag haben wir mit seiner Hilfe den Dachstuhl umgebaut. Jetzt haben wir auf einmal 3,2 Meter licht Höhe. Das sollte reichen.

Als Nächstes muss ein Weg gefunden werden, das Boot auf den Heuboden zu bringen (habe ich natürlich schon vorher überlegt ;-). Mein Plan ist, eine Kranbahn zu montieren, die rund 8 Meter aus dem Giebel ragt… Vielleicht kannst Du erahnen, was das für ein Projekt ist. Es beschäftigt uns eine weitere Woche. Aber dann ist es so weit. Auch die Kettenzüge wurden mittlerweile geliefert…

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wie ein Mausklick alles verändert

Die Tage verstreichen. Das ebay-Inserat ist immer noch aktiv! Aus! Ich treffe die Entscheidung! „Helga, wenn morgen in der Früh das Boot noch da ist, dann kaufe ich.“ Die Nacht ist unruhig. Der Morgen kommt: Rechner hochgefahren, eingeloggt, das Angebot ist noch aktiv! Jetzt rufe ich den Verkäufer noch an: klingt alles sehr gut. Er fragt, ob ich das Boot nicht vorher noch ansehen möchte: „Nein, wenn alles so ist, wie sie das schildern, dann drücke ich jetzt ‚Sofort kaufen‘. Dann können Sie die geplanten Besichtigungen für das Wochenende absagen…  …ach ja übrigens, wie lange habe ich denn Zeit, das Boot zu holen?“ „Wie lange werden sie denn brauchen? …. ja OK, 2-3 Wochen passen schon.“ Klick! Gekauft!

Ich bin Besitzer eines Trimarans! Auch wenn noch viel Arbeit wartet…

Entscheidungen gefragt

Der Herbst ist da. Die letzten Meilen sind gesegelt. Dafür ist der letzte „Marktcheck“ schon lange her. Darum mal wieder bei ebay sehen, was das Suchwort „Trimaran“ so zeigt…

ouuppps..! Das kann doch nicht wahr sein! „Trimaran Farrier F-9A Multihull im Rohbau in Oberursel…“ steht da zu lesen. Sofort kaufen um! 2 Angebote liegen vor. 59 Beobachter….“

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Diese Type hatte ich schon abgehakt. Vor zwei Jahren, als Farrier die letzten Pläne verkaufte, kamen wir zu dem Ergebnis, dass das Projekt zu groß ist. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt die Pläne für die Beams nicht mehr. Die Beams musste man als Komponenten fertig kaufen. Ein großer Brocken des Gesamtbudgets.

Und nun das! Das Boot als Rohbau mit den Plänen und mit den Plänen für die Beams! Und das Ganze noch zu einem günstigen Preis. Jetzt beginnt’s zu rattern. Möglichkeiten werden ausgelotet, Freunde konsultiert, der Heuboden ausgemessen, Materialien berechnet, der Innenraum durchgedacht, Vorteile und Nachteile abgewogen… und gleichzeitig die Gefahr, dass jemand anderer zuschlägt.

Das Angebot klingt fast zu schön, um wahr zu sein – stimmt da etwas nicht? Warum ist er noch nicht verkauft?

 

 

sie segelt sehr gut, aber…

Ich liebe unsere Inspiration! Sie ist ein tolles Schiff. Eine Bavaria 35 Exclusive, Baujahr 1998. Mit ihr haben wir schon tausende Seemeilen geloggt, fast alle Bedingungen erlebt. Und dennoch merke ich: da geht noch mehr – mich stört, dass wir bei der Rumpfgeschwindigkeit anstehen. Da hilft auch noch so viel Segeltrimm nichts mehr. Es gibt einen Punkt, da legt sie sich nur mehr auf die Seite. Und das ist schade, denn die Segel wollen eigentlich mehr (gutes Tuch aus Stade!)…

Unter_Segeln

Deshalb bin ich ständig am Schauen, welche Boote noch zu segeln sind. So ein Trimaran würde mir gefallen. Schon vor 3 Jahren bestellte ich mir die study plans von Farrier www.f-boat.com.  Aber ein Selbstbauprojekt in dieser Größenordnung – da traue ich mich nicht drüber.

Der Gebrauchtbootmarkt wird gescannt. Vielleicht ein alter Katamaran? Ein gebrauchter Tri? Oder sollten wir lieber auf einen modernen Mono upgraden? Viele Fragen!

Im Jahr 2014 ist Probieren angesagt: Bald im Frühjahr geht’s auf einem großen Kat durch kroatische Gewässer. Fazit: vom Platz und Komfort unglaublich, die Segelleistungen enttäuschen. Gewicht und schnelles Segeln passen halt doch nicht zusammen. Nächster Versuch: Die neue Seascape 27 in Slowenien: ein cooles Teil – segelt sehr direkt und zeigt, wie Leichtbau geht. Ist eine Versuchung, wenngleich wir uns an den Innenraum erst noch gewöhnen müssten. Dann kommt die Gelegenheit, die Dragonfly 28 Sport auf dem Attersee in Österreich zu segeln. Kaum Wind und dennoch sehen wir 10 Knoten auf der Logge! :-)) Auch innen ist alles da, was wir brauchen. Und trailerbar ist sie auch. Aber wie so viele Träume zerplatzt auch dieser: das Boot segelt nicht nur dreimal so gut, sondern kostet auch dreimal so viel 🙁

Dragonfly

Zu guter Letzt folgt noch eine Mittelstrecken-Regatta auf einer Elan 350 (www.offshore-challenge.at). Das Ding gefällt mir schon lange. Segelt auch sehr gut! Hat jede Trimmeinrichtung, die ich mir vorstellen kann. Aber viel leichtfüßiger war der Tri…

…die Fragen bleiben!

unterwegs