Ein Spleiß kommt selten allein

Heute blies der Wind kräftig aus SSO. Und es war etwas frisch. So entschieden wir uns, vor Anker die Endlosleine der Rollreffanlage zu erneuern – ein Endlosspleiß! Unser erster 😉 Dementsprechend groß ist unsere Skepsis, bevor wir die alte Leine durchschneiden.

Aber dann läuft alles besser als erwartet. Der Endlosspleiß kurz vorm Zusammenziehen:

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Und schwupp, die Schlaufe ist weg!

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Und weil ein Spleiß selten allein kommt, machen wir noch ein paar nette Tauwerkschäkel:

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Der Abend ist noch jung, jetzt schauen wir einmal, was wir noch so alles spleißen können. Was sollten wir denn sonst, an einem langen dunklen Abend vor Anker in einer einsamen Bucht tun?

P.S.: Selbstverständlich sind wir auch heute wieder ein Stückchen gesegelt:

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Ab in den Süden…

Um den Schleifstaub mal aus der Lunge zu bekommen  – ist ja hoffentlich keiner drinnen, weil wir ja immer oder meistens brav mit Maske arbeiten! – aber falls doch, dann bietet sich ein Segeltörn am Meer an.

So habe ich mich mit Andreas, einem Freund von uns, am Sonntag auf den Weg nach Kroatien gemacht, um die Saison zu eröffnen.

Unser Boot schwimmt noch! Und es sieht richtig toll aus. Am Montag morgen packen wir gleich mal den Hochdruckreiniger aus. Das bisschen Sahara-Staub ist rasch weg. Der Ruß, der sich feinsten Pünktchen auf dem Deck abgesetzt hat, der ist schon etwas hartnäckiger. Aber nach eineinhalb Stunden und dem Einsatz eines Yacht-Shampoos glänzt unsere Inspiration fast wie neu. Nur die Heizpatrone im Warmwasserboiler hat sich anscheinend verabschiedet: egal, welchen Stromkasten wir wählen – KLACK – fällt der Schutz, sobald wir den Schalter für Warmwasser einschalten.

Als wir dann endlich zum „Frühstück“ gehen, ist es nach Zwölf – egal, dann nehme ich eine Pizza und einen gemischten Salat 😉 Für meine geliebten fritierten Sardinen ist es mir dann doch noch zu bald…

Am Rückweg schauen wir noch beim Bootsladen vorbei, um ein paar Meter Dynema mitzunehmen. Schließlich wollen wir unsere Spleißfertigkeiten weiter vertiefen. Auch  der Trimaran soll ja ein Dyneemarigg mit ein paar Feinheiten  erhalten – z.B. einen Canting Mast.

Zum Auslaufen kommen wir erst um 15:30 Uhr. Von kräftigem SSO-Wind lassen wir uns nach Norden ziehen. Zuerst nur unter Genua. Dann wollen wir das Groß setzen. Das klappt nicht gleich. Offenbar war es schlecht eingerefft. Das durchgelattete Rollgroß zeigt zum ersten Mal seine Tücken. Wir fürchten, dass es nicht ohne Lattenbruch und/oder Risse im Segel ausgehen wird. Um die Sache zu ordnen, müssen wir eine Bucht anlaufen, denn mittlerweile laufen wir mit ordentlich Welle und das Boot tanzt wild umher. Dann gelingt es uns doch noch, durch lange Spielerei mit der Reffwinsch und der Ausholeleine im Wechselspiel, das Segel zentimeterweise aus dem Mast zu kitzeln. Nach einer dreiviertel Stunde kommt auch der letzte Teil des Segels aus dem Mast. Kontrolle: es ist von herunten Gott sei Dank kein Schaden zu sehen. Auch die Latten scheinen heil geblieben zu sein.

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Langsam aber stetig…

Nachdem ich jetzt einige Zeit nicht gebloggt habe, melde ich mich wieder. Die vielen Arbeitsschritte sind sicher nicht für alle von Euch gleich interessant. Deshalb ist es schwierig, das richtige Maß zu finden, die Arbeitsschritte zu dokumentieren. Manche fiebern bei jedem Bild mit, andere fragen sich vielleicht, warum ich jeden kleinen Schritt zeige. Wem es schon zu viel der „Laminiererei“ wird, der sei eingeladen, vorläufig nur die Überschriften zu verfolgen… 😉

Um Euch (also die Interessierten) trotzdem auf dem Laufenden zu halten anbei ein paar aktuelle Fotos. Mittlerweile sind beide hinteren Beams auf der Unterseite fertig und das hintere Zentralmodul (C.M.M. – central mouting module) ist verklebt. Das Gute: Ulli ist wieder fit und werkelt mit noch mehr Eifer als zuvor! In der Zeit als Mum krankheitsbedingt ausgefallen ist, habe ich wieder gemerkt, dass es alleine sehr, sehr zäh wäre, das Boot fertig zu bauen.

Zuerst zu den Beams. Da war jetzt erstmals viel Schleifen angesagt, weil im Bereich, wo nachher die Metall-Brackets sitzen, eine Ebene aufgespachtelt werden musste – aus hochdichtem Füller.  Wer je hochdichten Füller bearbeitet hat, weiß, was es bedeutet, da zu schleifen…

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Zum Schluss wurde noch eine Lage Glasgelege darüber gelegt. Leider hatten wir an einer Stelle einen Lufteinschluss. Deshalb aufschleifen und danach neu mit Glas belegen…03_018 03_019

Ein kleiner Trick, wie man widerspenstiges Glasgelege (620 gr/m²) daran hindern kann, an den relativ scharfen Kanten (der Konstrukteur gibt hier einen Maximalradius von 6 mm an) abzuheben:03_023 03_024

So! Irgendwann – genau genommen heute! – waren die Unterseiten der beiden Beams dann doch zu unserer Zufriedenheit fertig. 03_031

Das Schöne ist, dass wir jetzt die Ernte der Vorarbeiten einfahren können. Die von Alfred gefrästen Teile der C.M.M.s passen saugend ineinander und in die Helling:03_027 03_028

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Morgen kommt das erste C.M.M. aus der Form und ist schon fast(!!!) fertig. Da gehören dann noch die vorbereiteten Beam-Pads aus Eichenholz darauf verklebt und verschraubt und dann noch ein paar Glasgewebebänder an gewissen Kanten… aber dann ist es grundsätzlich bereit, in den Hauptrumpf eingesetzt zu werden.

Am Heuboden wo der Rumpf steht, ziehen mittlerweile untertags schon durchaus laminierbare Temperaturen ein – wir müssen uns also sputen!

 

 

 

 

 

Carbon – das schwarze Gold

Der gestrige Tag war wieder recht produktiv. Zuerst den zweiten Beam verrundet und geschliffen. Danach das Glas- und das Carbon-Gelege zugeschnitten. 6 Lagen unidirektionales Carbon verstärken die Unterseite des Beams. Carbon könnte man auch als das schwarze Gold bezeichnen – naja, so teuer ist es auch wieder nicht, aber alleine das Carbon, das in den Beams verbaut wird, kostet doch fast 1.000 Euro.  Verwendet man nur Glasgewebe, werden die Beams um rund 25% schwerer und sind außerdem nachher flexibler (die Glasfaser gibt unter Belastung mehr nach) – deshalb die Entscheidung für Carbon!

Den linken hinteren Beam haben wir also schon unten beschichtet. Nachdem Ulli durch eine Grippe schachmatt gesetzt ist, hat mir gestern meine Frau Helga geholfen. Sie laminiert ja auch nicht zum ersten Mal und hat mir auch immer wieder mal bei dem einen oder anderen Kanu oder Kajak geholfen. Diese unsere Vorerfahrungen mit Glas und Harz, machen sich jetzt positiv bemerkbar 😉  Schon kurz nachdem wir begonnen haben, war ich heilfroh, dass ich nicht alleine angefangen habe. Da sind vier Hände einfach gut – das Harz gibt den Takt vor und sobald man beginnt, läuft die Zeit…und die läuft meist schneller als einem lieb ist. In der beheizten Werkstatt geliert das Harz ziemlich schnell!2015_05_001 2015_05_003 2015_05_004 2015_05_005 2015_05_006

Das viele, relativ dick aufgetragene Harz schreit eigentlich nach Vakuum. Da wäre sicher wieder einiges Harz herausgepresst worden. Ich habe das angedacht, aber aufgrund der komplexen Form (die Unterseite mit den scharfkantigen Flanschen, etc.) bleiben lassen. Bis ich einen ordentlichen Vakuumsack beisammen gehabt hätte, wäre das Harz sicher großteils schon angeliert gewesen. So hat auch das Abreißgewebe noch einiges „herausgesaugt“.

So, nachdem jetzt schon wieder ein Monat um ist, gibt es wieder die aktuelle Statistik:

Baubeginn: 9. Jänner 2015

Arbeitsstunden im Jänner 2015: 79

Arbeitsstunden im Februar 2015: 98,5

Gesamtstunden: 177,5

-> das entspricht nach meiner (optimistisch) geschätzten Bauzeit von 2.500 Stunden jetzt 7,1% oder anders ausgedrückt: 2.323 Stunden liegen noch vor uns… 😉 Wir sind gespannt!